Portrait der Familie des Erhard von Ehrentreuter (1596-1664) und Freiin Eva von Ungnad

Zustand nach der Restaurierung, Mai 2006

Gemälde:
Portrait der Familie des Erhard von Ehrentreuter (1596-1664) und Eva Freiin von Ungnad“ – eine Adelsfamilie in Ostfriesland

Künstler:
Tilman (Tilemann, Tilemanns), Simon Peter, genannt Schenck, geb. am 23.07.1601 in Lemgo, gest. 1668 in Wien

Quellenhinweis von Herrn G. Bartoschek, ehem. Gemäldekustos der Stiftung
Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Datierung: um 1640
Provenienz: Ostfriesland
Material: Öl auf Leinwand, ohne Spannrahmen
Maße: Breite: 276,5 cm, Höhe: 220,7 cm
Standort: Privatsammlung

Bearbeitungszeit: 09/2006 bis 13. Mai 2009

Objektbeschreibung

Das Familienporträt, das um die Mitte des 17. Jahrhunderts als Auftragsarbeit angefertigt wurde, zeigt das Ehepaar Erhard II. Freiherr von Ehrenreuter zu Hofrieth (1596-1664) und Eva von Ungnad (1615-1684) mit ihren Kindern. Beide stammten nicht aus friesischem Adel, sondern waren mit ihren Familien während des Dreißigjährigen Krieges nach Ostfriesland gekommen. Das Geschlecht der Ehrenreuters (auch Ehrentreuter oder Ehrenreiter geschrieben) ist im 15. Jahrhundert aus Bayern nach Österreich gekommen und war bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts in Niederösterreich ansässig. Wie schon sein Vater; Erhard I. Ehrenreuter; nahm auch Erhard II. an den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts teil. 1629 wurde er zum Kommandanten der niederländischen Garnison in Emden bestellt.

In dieser Zeit lernte er seine Frau Eva von Ungnad kennen. Wie Ehrenreuter stammte auch sie aus einem sehr alten fränkischen Adelsgeschlecht. Die Familie war protestantisch und musste nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 in Prag, die der katholischen Liga unter dem Grafen Tilly einen triumphalen Sieg einbrachte, fliehen und verlor ihre Güter. Andreas von Ungnad floh mit seiner Familie über Schlesien in Richtung Norddeutschland und ließ sich in Emden nieder, das zu dieser Zeit eine zentrale Anlaufstelle für die calvinistischen Glaubensflüchtlinge war. Nur wenig später starb Andreas von Ungnad in Emden und hinterließ zwei Töchter, Eva und Elisabeth.

Während Elisabeth von Ungnad als Geliebte des Oldenburger Grafen Anton Günther und Mutter seines illegitimen Sohnes Anton von Aldenburg bekannt ist, heiratete Eva von Ungnad im Alter von 16 Jahren am 4. Mai 1631 Erhard Ehrenreuter. Unmittelbar nach der Belehnung Ehrenreuters mit Loga und Logabirum ließ dieser die nach seiner Frau benannte Evenburg errichten, eines der wenigen Schlösser in Nordwestdeutschland, die während des Dreißigjährigen Krieges gebaut wurden.

Ob das Ehepaar – wie es die Wedelsche Familienchronik überliefert, sieben Kinder hatte, von denen drei sehr früh gestorben sind, lässt sich durch schriftliche Quellen nicht mehr belegen. Die Darstellung auf dem Porträt legt diese Situation nahe. Vermutungen, dass die drei Kinder, die vom Himmel (Nimbus) herab blicken, später, d.h. nach deren frühzeitigen Tod, eingefügt sind, lassen sich mit der kunsthistorischen Datierung nicht in Einklang bringen.

Eine zentrale Rolle nimmt das kleine Mädchen im auffälligen roten Kleid ein, Maria. Sie ist die Erbin der Herrlichkeit und des Schlosses Evenburg. 1633 geboren, lernte sie mit 32 Jahren Gustav Wilhelm von Wedel kennen und heiratete ihn noch im selben Jahr. 

Text: Dr. Heike Düselder

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